Giardini di Marzo

Giardini di Marzo: B&B, Kochkurse und Eseltrekking

Wenn Gäste Freunde werden

Giardini di Marzo: Ein kleines Anwesen auf dem Land zwischen Francavilla Fontana und Ceglie Messapica. Nicht schwer zu finden, Utes SMS ist kurz und klar.

Natürlich fahre ich beim ersten Mal trotzdem an der kleinen Abzweigung vorbei. Sicherheitshalber schalte ich Google Maps dazu, die Dame sagt: „links abbiegen“. Prompt lande ich vor einem großen landwirtschaftlichen Gebäude. Die beiden Männer auf der Bank vor dem Stall sehen mich komisch an. Schnell weg hier. Nochmal zurück auf die Francavilla – Ceglie und die richtige Abfahrt suchen. Die Google-Tante wiederholt „links abbiegen“.

Ich kneife die Augen zusammen und fahre 30, niemand ist hinter mir. „Links abbiegen“. Ja klar. Diesmal fahre ich richtig, biege rechts ab und bin nach kurzer Fahrt an der Abzweigung mit Schild „Giardini di Marzo“. Eine kleine Straße gesäumt von Trockenmauern und schon bin ich da.

Ein Mischlingshund springt fröhlich um das Auto und mich herum, Ute Palmisano kommt mir zwischen Natursteinen, Olivenbäumen und Rosmarin entgegen.

Ute Palmisano macht Pasta
Ute Palmisano (li) – Foto: mit freundlicher Genehmigung von Giardini di Marzo

Ich kenne Ute seit ein paar Jahren, sie ist staatlich lizensierte Reiseführerin, und bei den Ausflügen ihrer Gruppen nach Torre Guaceto ergaben sich schon oft interessante Gespräche. Ich mag ihre ruhige, gelassene Art und ihren weichen süddeutschen Zungenschlag. Sie ist eine sehr interessante Frau und schon lange wollte ich sie besuchen, denn neben ihrer Arbeit als Wanderreiseführerin stellt sie zusammen mit ihrem Mann biologisches Olivenöl her, hält eine kleine Herde Esel, betreibt ein B&B und organisiert Kochkurse und Ausflüge mit Eseln.

Super – noch schnell der Link zu Utes Webseiten und voilà, der Artikel ist fertig!

Webseite zum Landgut Giardini di Marzo  – Fragt doch einfach mal nach den aktuellen Angeboten!

Webseite zu Oro Messapico – dem hauseigenen, preisgekrönten (zwei internationale Preise – Gold und Bronze) biologischen Olivenöl

Das sollte reichen, denn wen’s wirklich interessiert, der kann ja mal hinfahren.

Ganz sicher erzähle ich nicht die ganzen schönen Details!

Ich denke, ich werde keine Werbung für den Artikel machen. Sollen andere einen ganzen Urlaub dort verbringen und alles sehen dürfen, was ich in den sechs Stunden, in denen ich bei Ute und Mario war, kennengelernt habe? Ich habe das Gefühl, dass das was für wenige Auserwählte ist und man es sich verdienen muss.

Also erzähle ich nichts von der prickelnden klaren Luft, die mich an diesem frühlingshaften Januartag umschmeichelt. Von den leuchtenden Farben brauche ich gar nicht zu reden, das knackige winterliche Grün der Wiese mit den blendend gelben Klecksen des Sauerklees und der Mimose, das zarte hellblau eines blühenden Rosmarins, das silbrige Grün der Olivenbäume und der strahlend blaue Himmel, der allmählich zart und durchsichtig wird als ich gehe, weil es schon so spät am Tag ist.

Genauso wenig werde ich von Utes warmherziger Begrüßung reden, und von den Eseln, die einer nach dem anderen ans Tor kommen um zu sehen, wer da zu Besuch ist. Manche sind scheu und halten Abstand, aber der Stammvater der Gruppe kennt keine Schüchternheit und streckt mir freundlich seine Nase entgegen.

Esel im Stall - Giardini di Marzo
Während die anderen Esel schon neugierig am Tor stehen, warten die beiden lieber noch ab.

Wie mir Ute und Mario nachher erzählen werden, sind sie vor knapp 10 Jahren mit acht Eseln von der Emilia Romagna nach Apulien gezogen, und die Tiere sind nicht nur zuverlässige und geduldige Wanderbegleiter auf den Trekkingtouren, sondern auch hervorragende Therapeuten, die zusammen mit einer auf Onotherapie spezialisierten Psychologin Menschen mit seelischen, geistigen oder körperlichen Problemen helfen können.

Ganz sicher beschreibe ich nicht das gemütliche Haus, das mich anheimelnd und warm (!!! wann sind Häuser auf dem Land in Apulien schon mal warm?!) empfängt. Gleich beim Reinkommen steht man in einem Wohn-/Esszimmer mit riesigem Tisch und ansehnlicher Plattensammlung. Geradeaus geht es in die beiden (!) großen Küchen, die gleichzeitig urtümlich und modern ausgestattet sind. Rechts und links vom Esszimmer kommt man in die beiden Suiten, von denen eine an Gäste vermietet werden kann. Die Räume sind großzügig, hoch und wunderbar hell, mit zahlreichen Wandnischen und raffinierter Beleuchtung. Das Bad der Gästesuite ist in weiß und blau gehalten und ebenfalls lichtdurchflutet und geräumig. Die Einrichtung ist schlicht und liebevoll: statt vieler „typisch apulischer“ Kinkerlitzchen haben Mario und Ute lieber in exzellente Matratzen investiert.

Apropos Mario, bisher habe ich ja nur von Ute gesprochen. Als wir nach dem Vorstellen der Esel ins Haus kommen, erwartet uns schon Utes Mann, Mario eben. Wenn ich die italienischen Männer deutscher Frauen kennenlerne, denke ich unwillkürlich immer an die klassische Heiratsmigration der deutschen Landsmännin nach Italien, zu ihrem wenn überhaupt nur radebrechenden italienischen Gatten. Deshalb spreche ich normalerweise die entsprechenden Gemahle auf italienisch an und werde meistens mit dankbaren Blicken bedacht.

Mario hingegen spricht perfekt deutsch. Nicht das Pendant zu Ratzingers Italienisch, also mit Killer-Akzent, sondern deutsches Deutsch. Eher selten und sehr interessant. Er kam als Kind mit seinen Eltern nach Deutschland und lernte möglichst schnell möglichst gut die Sprache. Als Selbstverteidigung, sagt er, denn offenbar war die deutsche Kleinstadtkultur nicht eben offen und freundlich zu ausländischen Immigranten und ihren Kindern.

Wirklich nicht erzähle ich die Geschichte, wie sich der Toningenieur/Musikproduzent und die Mode- und Kostümdesignerin kennengelernt haben – das sollen die beiden ruhig ihren Gästen bei einem schönen Glas Wein selbst erzählen – oder am besten gleich verfilmen. Unwahrscheinlich, romantisch und irrer Zufall (oder Schicksal?).

Was ich auf jeden Fall verschweigen sollte, damit Giardini di Marzo nicht von allen 1000 Blogbesuchern pro Monat überrannt wird, sind Marios Kochkünste – die er auch noch in Kochkursen teilt! – und das hervorragende Olivenöl, dass die beiden Palmisanos herstellen und nach Deutschland vertreiben. Ich darf beides probieren.

Mario Palmisano beim Kochen
Mario Palmisano in seiner Küche

Die Küche ist eine Schatztruhe voll messapischen Goldes

Bei der Hausbesichtigung zeigen sie mir die kleinen Olivenölkanister, die sie auf dem Küchentisch versandfertig machen und erzählen mir, wie sie das „messapische Gold“ produzieren. Mario ist der gesprächigere der beiden, und manchmal bremst Ute ihn ein bisschen, damit die Informationen nicht zu überwältigend werden.

Oro Messapico - Extra natives Olivenöl "Primitivo"Das Kapitel Olivenöl ist etwas ganz besonderes, und allein über die richtige Art der Verkostung könnte man einen eigenen Artikel schreiben, ganz zu schweigen von der Produktion. Mario ist ein Panel, dh. ein zertifizierter Verkoster, und zeigt mir an einem Schluck preisgekröntem „Evolution“ die richtige Verkostungstechnik. Auch als Laie rieche und schmecke ich das wunderbare, zarte und gleichzeitig intensive, fruchtig-zitrische, grüne Aroma. Man kann tatsächlich an einem Stamperl Olivenöl nippen und es genießen wie ein hochprozentiges Getränk.

Das oro messapico-Öl wird aus rein biologisch angebauten Oliven hergestellt und entsprechend schonend verarbeitet. Und, ob ihr’s glaubt oder nicht, man schmeckt außer der Professionalität auch die Liebe und Hingabe, mit der es hergestellt wird.

Ich glaube, das sind auch wichtige Zutaten in Marios Küchenrezepten. Die Pasta, die er nach vier Stunden faszinierender Geschichten zaubert, schmeckt nach mehr als nur Spaghetti, Auberginen und Tomatensoße. Ich bekomme schon wieder Hunger, wenn ich nur an den duftenden dampfenden Teller denke – spritzig-würzige Tomatensoße mit leichter Schärfe auf bissfesten Spaghetti, mit Auberginen-Würfeln, die durch eine Lage schmelzenden Mozzarella noch einen sämigen Touch bekommen… am liebsten hätte ich mich reingesetzt. Stattdessen habe ich den Teller leer geputzt und dazu noch ein paar ordentliche Stücke der knusprigen (natürlich selbstgebackenen) Focaccia vernichtet.

Pasta im Hause Palmisano
Ohne Worte

Ute und ich unterhalten uns noch lange über die Arbeit als Reise- und Wanderführerin, die sie, wie auch alle anderen Projekte, mit Leidenschaft und Professionalität betreibt. Wege finden, Apulien auch außerhalb der klassischen Reisezeiten individuell und besonders erlebbar zu machen. Mit Giardini di Marzo haben die Palmisanos eine tolle Idee verwirklicht und sind auf diesem Weg schon ein gutes Stück gegangen.

PS: den Untertitel des Artikels habe ich von Mario geklaut, denn er beschreibt einfach zu gut das Gefühl, wenn man Giardini di Marzo und die Palmisanos wieder verläßt.

PPS: Vielen Dank an Ute und Mario für den, dass ich sie besuchen durfte und für die Fotos! Und hier noch die Links zu den Kochreisen:

http://www.sento-wanderreisen.de/kulinarische-reise-kochreise-italien-apulien/

http://www.tourgourmet.de/kochreisen/kochreisen_italien_kocherlebnis-apulien.html

https://www.vamos-geheimtipps.de/reiseziele/koch-und-kulturwoche-apulien/

PPPS: Ich schreibe keine bezahlten Artikel und bin auch nicht bestechlich (Kontonummer und Liebligsschokolade sowie bevorzugte Weinmarke auf Anfrage). Ein toller Mensch mit tollen Ideen zu sein, gute Geschichten und ein Teller Pasta reichen völlig aus.

Noch ein paar Bilder:

 

 

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