Collage Trullo Cicerone

Trullo Cicerone

Masterclass in Fotografie, historische Kochkurse, oder einfach nur die Seele baumeln lassen im Trullo Cicerone

Kennt Ihr diese zufälligen Begegnungen, die völlig aus dem Nichts auftauchen und das Leben doch so ungemein bereichern?

Bei uns war es ein Tag am Strand. Endlich hatten wir uns mal zu viert einen Nachmittag freigeschaufelt und wollten ans Meer. Wir fahren nicht so oft ans Meer, wie es einer apulischen Familie ansteht. Deshalb beschlossen wir, wenigstens an einen besonders schönen Strand zu fahren.

Nur leider war der Strand unserer Wahl, Penna Grossa im Naturschutzgebiet Torre Guaceto, nicht praktikabel: Kein legaler Parkplatz weit und breit und es wimmelte von Polizei. Dummerweise gibt es ja noch keine zusammenfaltbaren Autos, also weiter zu einer mindestens ebenso schönen Alternative: Torre Pozzelle.

In Torre Pozzelle war fast niemand, und wir hatten eine Strandhälfte nur für uns. Im Wasser war ich mit den Kindern ganz allein.

Irgendwann tauchte ein blondes Mädchen auf, sie gehörte wohl zu der Gruppe in der anderen Ecke des Strandes. Wir kamen ins Gespräch. Sie hieß Clara und setzte sich ein bisschen zu uns, später kamen auch die Eltern mit einem Becher selbstgekeltertem Weißwein rüber. Sie, eine großgewachsene blonde Deutsche, er, ein kleiner, lebhafter Iraner. Ursula und Manoocher. Sympathie auf den ersten Blick, Handynummeraustausch.

Genießen und die Seele ausruhen

Das war vor zwei Jahren. Der Kontakt ist geblieben, und wir treffen die beiden jedesmal mit großem Vergnügen (Clara geht mittlerweile verständlicherweise eher ihre eigenen Wege). Sie leben in einem Haus mit Trullo zu Füßen von Martina Franca, mitten im Itria-Tal.

Einmal die Schwelle zum Garten von Trullo Cicerone überschritten, wird der Besucher unweigerlich von der freundlichen Gelassenheit angesteckt, die sowohl Ursula als auch Manoocher auszeichnet.

Keine Formalitäten, keine Umstände. Du bist da? Du bist, wie Du bist? Gut! Du bist willkommen!

Und auf einmal weiß man wieder, wie sich Seelenruhe anfühlt.

Gute Gespräche, gutes Essen – viele Zutaten selbst angebaut – dazu der hausgemachte Weißwein, und die Welt dreht sich wieder richtig herum.

Die Archäologin und der Fotograf

Sowohl Manoocher als auch Ursula sind bemerkenswerte Persönlichkeiten, und ihre Geschichte ist faszinierend – sie ausführlich zu erzählen würde definitiv den Rahmen eines Blogartikels sprengen. Deshalb nur eine kurze Zusammenfassung:

Manoocher Deghati stammt aus dem Iran und ist ein fotojournalistisches Schwergewicht. Er hat in über 100 Ländern der Welt gearbeitet und wurde als Fotoreporter mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnet. Mehr über ihn kann man unter anderem auf seiner Homepage, bei Worldpressphoto oder bei der italienischen Zeitung Repubblica erfahren.

In den Bildern, die ich bis jetzt gesehen habe, finde ich sehr viel von seinem Wesen wieder, so wie wir es kennengelernt haben: Aufmerksamkeit gegenüber dem anderen, Weisheit und Liebenswürdigkeit, ein verschmitzter, trockener Humor, Lebenslust, Menschenliebe.

Manoocher Deghati
Manoocher Deghati beantwortet einer Schulklasse Fragen zu den Bildern seiner Ausstellung „Looking at Childhood“ im Frühjahr 2018

Plakat der Ausstellung Looking at Childhood von Manoocher Deghati

Ursula Janßen kommt aus Norddeutschland und ist eine auf Vorderasien spezialisierte Archäologin und Autorin. Sie hat unter anderem im Nahen Osten und Afrika gelebt, bevor die Familie beschloss, nach Apulien zu ziehen. Allein dieses Jahr sind zwei Bücher von ihr erschienen.

Ursula JanßenUrsula ist eine Oase der Ruhe – von ihrer Gelassenheit würde ich mir gerne jedesmal was einpacken lassen. Und sie ist so etwas wie die Queen des Understatements: dass sie eine exzellente Köchin ist, kam schon recht früh ans Licht bei ihren Einladungen. Iranische Spezialitäten, selbstgebackenes Brot, selbst eingelegte Leckereien nach alten Rezepten durfte ich schon oft probieren. Irgendwann kam im Gespräch heraus, dass sie auch historische Kochkurse anbietet, zum Beispiel in römischer oder mittelalterlicher Küche.

Und letzthin hat sie mich beiläufig gefragt, ob ich nicht ihr Buch lesen möchte. Sie meinte die Spur des Emirs, ein historischer Roman, der im 9. Jahrhundert in Apulien spielt. Dass sie gleichzeitig auch einen Jugendroman veröffentlicht hat, habe ich erst beim Stöbern auf Amazon entdeckt. Ein Fels in der Brandung mit unglaublich vielen Facetten und Talenten – gesellig, kreativ, zupackend und voller Überraschungen.

Das Leben in Apulien: Gastfreundschaft im Trullo Cicerone

Gemeinsam mit Manoocher hat sie sich vor vier Jahren eine neue Existenz in Apulien aufgebaut: Im Trullo Cicerone betreiben sie ein B&B und beziehen das meiste Obst und Gemüse aus dem Eigenbau. Manoocher veranstaltet zahlreiche Ausstellungen und gibt Kurse in Fotografie (bei Vawaa kann man einen schönen Artikel darüber lesen). Ursula arbeitet als freie Autorin und gibt historische Kochkurse.

Außer Hund und Katze haben sie Hühner und Wachteln auf ihrem großen Grundstück. Hinter dem Haus erstreckt sich links von einem gekiesten Weg das Weinfeld und der Obstgarten, rechts das Getreidefeld – dieses Jahr haben sie eine alte Weizensorte, Khorasan-Weizen, angebaut. Gleich anschließend an den weitläufigen Patio beim Haus wachsen Gemüse und Kräuter, und im Herbst kann man die Trauben, die von der Pergola herunterhängen, beinahe direkt mit dem Mund pflücken.

Der gekieste Weg führt an einem Trampolin und einer Schaukel, im Sommer auch an einem Schwimmbecken, vorbei und endet … bei einer mongolischen Jurte!

Trullo und Jurte
Das Trullo Cicerone, der eigene Weißwein und die Jurte – Fotos mit freundlicher Genehmigung von Ursula und Manoocher ©trullo cicerone

Die Kombination der orientalisch eingerichteten Jurte mit dem ländlichen Apulien ist unwiderstehlich und doch so typisch für Ursula und ihren Mann: weltoffen und kulturübergreifend, und dabei unkompliziert und bodenständig. Übrigens ist es egal, ob auf italienisch, deutsch, englisch, französisch – die Kommunikation ist kein Problem.

Im Grunde kann man bei ihnen das ganze Jahr über Urlaub machen. Und auch wenn man nicht gerade fotografiert oder kocht, gibt es genug zu tun und zu sehen. Bogenschießen, Boccia spielen, die Umgebung erkunden – zu Fuß, auf dem Fahrrad, Motorrad oder im Auto. Martina Franca, Cisternino, Locorotondo sind nicht weit, und das Itria-Tal ist so zentral, dass auch andere apulische Städte bequem erkundet werden können: die Welthauptstadt der Trulli Alberobello, Ostuni, Brindisi, Monopoli, Bari, um nur einige zu nennen.

Online könnt ihr das Trullo Cicerone auf der Homepage besuchen, buchen könnt ihr z.B. bei Airbnb oder auch direkt bei Ursula und Manoocher: hier der Kontakt.

Die tollen Bilder mit ©trullo cicerone haben mir freundlicherweise Ursula und Manoocher zu Verfügung gestellt, an dieser Stelle vielen Dank dafür! Seht euch auf jeden Fall noch die Fotogallerie mit weiteren Bildern an!

 

 

 

 

 

 

 

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